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Woher kamen die Vandalen – und was wurde aus ihnen?

Wer waren die Vandalen? Wann und wo lebten sie? Warum haben sie so einen schlechten Ruf? Woher stammt der Begriff "Vandalismus"? Diese und weitere Fragen möchten wir in diesem Beitrag beantworten.

Herkunft

Wer oder was waren die Vandalen?

Eine ostgermanische Stammesgemeinschaft.

Woher das Volk der Vandalen ursprünglich kam, ist nicht bekannt. Theorien darüber gab/gibt es bis heute allerdings einige. Unter anderem ist da zum Beispiel von Skandinavien die Rede. Aber zu belegen ist das bisher nicht wirklich.

Dagegen ist als einigermaßen sicher anzunehmen, dass die etwa im 2. Jahrhundert n. Chr. auffällig gewordenen Vandalenstämme der Hasdingen und Silingen irgendwo im Osten Mitteleuropas ansässig gewesen sind.

Obwohl in diesem Zusammenhang hin und wieder auch von Rumänien und Ungarn zu lesen ist, werden hingegen in erster Linie Schlesien beziehungsweise das Weichselgebiet/Polen als mutmaßliches Herkunftsgebiet genannt.

Während ohnehin vieles von dem, was man lange Zeit über die Vandalen und ihre Lebensweise zu wissen glaubte, überwiegend aus antiken Quellen (zum Beispiel: Plinius des Älteren; 23-79 n. Chr. oder Tacitus’; 56-117 n. Chr.) stammt und ganz sicher auch der Beurteilung und Denkweise der Autoren zu ihrer Zeit geschuldet ist, stellen die seit Jahren andauernden archäologischen Arbeiten – beispielsweise in der vormaligen römischen Provinz und heutigen Ausgrabungsstätte Karthago (seit 1979 Weltkulturerbe) nahe Tunis/Tunesien – das Klischee des mit den Vandalen in Verbindung gebrachten „Vandalismus“ eindeutig ad absurdum.

Denn: Obwohl die Vandalen – einschließlich ihres listigen, machtbewussten und fraglos auch zu brutalen Handlungen neigenden Königs Geiserich – im Umgang mit den Gegnern ganz gewiss nicht zimperlich gewesen sein mögen, lassen sich nach neueren Erkenntnissen dennoch keinerlei „barbarische“ Zerstörungen von (zum Beispiel) Kunstwerken und ähnlichem mehr nachweisen.

Im Gegenteil. Nach neuesten Forschungsergebnissen sollen sie sich sehr wohl klug und zurückhaltend den Sitten und Gebräuchen der Bewohner der von ihnen eroberten Gebiete angeglichen haben. Sie, die Vandalen, fassten sozusagen Fuß, wurden heimisch und passten sich den vorgefundenen Gegebenheiten an.

Man könnte auch sagen: Sie integrierten sich auf vorbildliche Weise...

Woher kamen die Vandalen?

Wie gesagt: Aller Wahrscheinlichkeit nach in der Gegend des Weichselgebiets/Polen beheimatet, begannen etwa zu Beginn des 5. Jahrhunderts die erstaunlichen und eindringlich ins Auge fallenden „Reise-/Wanderaktivitäten“ des – aus mannigfaltigen Stämmen zusammengewürfelten – ostgermanischen Volkes der Vandalen.

Quo vadis

Die Vandalen, so ist anzunehmen, wurden möglicherweise von ihren Nachbarn, den Goten, aus ihrem Siedlungsgebiet verdrängt. Letzteren wiederum war von den etwa seit 375 ins Land eingefallenen Hunnen der sprichwörtliche „Stuhl vor die Tür gesetzt“ worden. Gemeinsam, sowohl mit germanischen (Sueben) als auch nichtgermanischen (Alanen) Stämmen,

  • überquerten die Vandalen 406/407 den Rhein,
  • marschierten 409 über Gallien nach Spanien,
  • ließen sich dort eine Zeitlang nieder,
  • gerieten allerdings zwischen 415 bis 418 in heftige und verlustreiche Auseinandersetzungen mit den Westgoten.

Grund genug also, sich ab 429 erneut auf Achse zu machen. Die einen zog es auf die Balearen, die anderen, und mit diesen König Geiserich, nach Nordafrika.

Expansion

Wo haben sich die Vandalen niedergelassen?

Schlussendlich, nach längeren Wanderjahren, eroberten die Vandalen 439 unter ihrem König Geiserich (um 389-477) die römische Provinz „Africa“. Das waren im Wesentlichen die Gegenden des heutigen nördlichen Tunesiens und umfasste Teile Algeriens und Libyens. Auf ihrem weiteren Vormarsch kaperten die Vandalen Karthago und machten die Stadt zur Metropole ihres in der Folge mächtig wachsenden Territoriums, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung neben den Nordafrikanischen Landesteilen, auch die Inselgruppe der Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien einschloss.

Erstes und einziges germanisches Königreich

Unter dem Vandalenkönig Geiserich wuchs das Reich nicht nur zu einer respektablen Seemacht, sondern konnte sich darüber hinaus – 442 sogar vom römischen Kaiser Valentinian III. (419-455), der im Frühjahr 455 von Finsterlingen gemeuchelt wurde, legitimiert – als ein erstes unabhängiges germanisches Königreich auf römischem Terrain etablieren.

Alles begann mit der sogenannten Plünderung Roms, setzte sich fort in ständigen Scharmützeln und endete schließlich 533/534 mit der Zerschlagung durch den oströmischen Kaiser Justinian I. (um 482-565) – und ist im Detail nachzulesen in den nachstehenden Infoboxen:     

Die "Plünderung Roms"

Als dann in der ersten Hälfte des Jahres 455 sowohl Valentinian, als auch dessen kurzzeitiger Nachfolger, der römische Senator, Konsul und Usurpator Petronius Maximus (*396/°455 von aufgebrachten Bürgern getötet) das Zeitliche gesegnet hatten, machte sich Geiserich im Sommer des Jahres 455 auf nach Rom, belagerte die Stadt einige Tage lang – und soll sie anschließend mit seiner Soldateska angeblich aufs Fürchterlichste („sie hausten wie die Vandalen“) geplündert haben.

Andauernde Scharmützel

Nach dieser für Geiserich erfolgreich verlaufenden Aktion, gehörten Auseinandersetzungen mit West- und Ostrom weiterhin sozusagen zum Alltag. Tatsächlich gelang es den Vandalen aber – unter anderem in den Jahren 460, 468 und 472 – jeglichen Waffengang für sich zu entscheiden.

Ein letztes Schnäppchen, der Tod Geiserichs und das Ende der Vandalen

Drei Jahre vor seinem Tod (477) schloss Geiserich (474) mit dem oströmischen Kaiser Zenon (Regierungszeit von 474 bis °491) einen Vertrag, der auch seinen Nachkommen die ultimative römische Anerkennung des karthagischen Reiches sichern sollte – was sich allerdings nicht von langer Dauer erwies. Nach weiteren fünf Königen und permanenten Konflikten mit Ostrom (Byzanz), wurde das Vandalenreich 533/534 endgültig durch den oströmischen Kaiser Justinian I. (*um 482/°565) zerschlagen und ins Byzantinische Reich eingegliedert. Gelimer, der letzte Vandalenkönig, starb 553 im Exil.

Wer war denn nun eigentlich dieser Geiserich?

Geiserich (389-477 n. Chr.) wurde 428, da hielt sich die aus dem Weichselgebiet/Polen auf „Tour“ gegangene ostgermanische Stammesgemeinschaft der Vandalen bereits seit fast zwei Jahrzehnten in Spanien auf, sowohl König („rex Vandalorum et Alanorum“) der Vandalen als auch des nichtgermanischen (iranischen) Volkes der Alanen.

Vorausgegangen war dieser Thronbesteigung die Ermordung des Halbbruders. Und vorbeugend, um seine Herrschaft adäquat abzusichern, ließ Geiserich kurz darauf auch gleich die gesamte Familie des Getöteten meucheln.

Da die Vandalen und Alanen schon seit längerem – wenig erfolgreich – mit den auf der Iberischen Halbinsel agierenden Westgoten im Clinch lagen, entschieden sie 428/429, sich erneut auf Achse zu machen.

Ein langer Weg, letztlich aber doch angekommen

Unter Führung ihres königlichen Stammesoberhauptes Geiserich sollen sie mit Mann und Maus – in der Summe, wie es heißt, round about achtzigtausend Menschen mit ihrem Hab und Gut, darunter Krieger (zu Fuß und zu Pferd), Frauen, Kinder und Alte – per Schiff

  • die Straße von Gibraltar Richtung afrikanischem Kontinent überquert,
  • in den Folgejahren peu á peu Nordafrika (die heutigen Maghrebstaaten Marokko, Algerien, Tunesien) durchzogen sowie
  • schließlich 439 Karthago – seinerzeit die zweitgrößte Stadt des Römischen Reiches – erobert und zu ihrer Metropole gemacht haben.

Shit happens

Dann geschah Unvorhergesehenes. So, wie es sich darzustellen scheint, ging es dabei um eine verwirrende Heiratspolitik sowie zwei, drei Morde. Die Protagonisten der Handlung waren – unter anderen –

  • die Tochter Valentinians,
  • der Sohn und potentielle Nachfolger Geiserichs,
  • ein gewisser römischer Heerführer namens Flavius Aétius (um 390-ermordet 454 n. Chr.),
  • Licinia Eudoxia, die Gattin Valentinians und
  • der römische Senator, Konsul und Usurpator Petronius Maximus (396-gemeuchelt 455 n. Chr.).

Als dann auch noch zu Beginn des Jahres 455 Kaiser Valentinian von Parteigängern des guten Aétius erschlagen und wenig später dessen kurzzeitiger Nachfolger Petronius Maximus von wütenden Römern getötet wurden, machte sich Geiserich im Sommer des Jahres 455 auf nach Rom.

Die "Plünderung Roms"

Einige Tage lang wurde die Stadt belagert, dann soll Geiserich sie angeblich mit seiner Soldateska aufs Fürchterlichste geplündert haben. In Wirklichkeit soll die Einnahme Rom allerdings nicht so barbarisch, brutal und zerstörungswütig stattgefunden haben, wie es der im Zuge der Französischen Revolution geprägte Ausdruck Vandalismus vermuten lässt.

Zum guten Schluss

Nach dieser für Geiserich erfolgreich verlaufenden Aktion, gehörten Auseinandersetzungen mit West- und Ostrom weiterhin sozusagen zum Alltag. Tatsächlich gelang es Geiserich aber (unter anderem in den Jahren 460, 468 und 472) jeglichen Waffengang für sich zu entscheiden und – bevor er im Januar 477 in Karthago verstarb – 474 vom (ost)römischen Kaiser Zenon (Regierungszeit von 474 bis 491) einen Anerkennungsvertrag seines karthagischen Reiches auch für seine Nachkommen zu schließen ...

Rufschädigung

Wie kamen die Vandalen eigentlich zu ihrem schlechten Ruf?

Weil ein gewisser Henri-Baptiste Grégoire (1750-1831), Bischof von Blois, im Zuge der Französischen Revolution (1789 bis 1799) den Ausdruck „Vandalismus“ prägte.

Ein "hinkender" Vergleich und seine Auswirkung

Dabei verglich der Bischof ungefiltert die Schreckensherrschaft der Jakobiner mit der angeblich besonders brutalen, rücksichtslosen und über Leichen gehenden Plünderung Roms 455 durch die Vandalen.

Seither gilt der Begriff als Synonym für vorsätzliche Zerstörung und/oder Beschädigung von Sachen oder Gebäuden nach dem Motto „sie hausten wie die Vandalen“. Eine Redewendung, die den schlechten Ruf der ostgermanischen Stammesgemeinschaft der Vandalen unverdientermaßen noch heute bestimmt.

Autoren:

Quellen:

  • "Die Germanen" (Norbert F. Pötzl, Johannes Salzwedel Hg./Spiegel Buchverlag, Goldmann)
  • "Deutsche Geschichte für Dummies" (Christian v. Ditfurth/Wiley-VCH Verlag)
  • "Die ersten Deutschen" (S. Fabian Fischer/Droemer Knaur)
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