Wer war Papst Sixtus IV. - und was hat er mit der „Sixtinischen Kapelle“ zu tun?

Ein Stein des Anstoßes! Papst Sixtus IV. soll ein wahrer Fiesling gewesen sein!

Unter seinem bürgerlichen Namen Francesco della Rovere 1414 in Celle Ligure (Ligurien/Italien) geboren, galt/gilt er als einer der Päpste zwischen Spätmittelalter und Renaissance.

Offensichtlich diente Sixtus einer ganzen Reihe auf ihn folgender Päpste sozusagen als „Vorbild“ für ein Pontifikat, das sich mehr um Macht, Geld und Politik scherte, als um die Sache des Glaubens.

Werdegang

Aus einer zwar angesehenen aber nicht sonderlich gut situierten Händlerfamilie stammend, trat Sixtus in jungen Jahren dem Franziskanerorden bei, studierte Theologie, erlangte den Doktorgrad, stieg zum Oberhaupt des Ordens auf, wurde von seinem Sponsor Papst Paul II. (*1417/°1471) zum Kardinal ernannt und, nach dessen Tod, im August 1471 völlig unerwartet (Bestechung nicht ausgeschlossen) zum Nachfolger auf dem „Stuhl Petri“ gewählt.

Persönlichkeitswandel

Aber bereits unmittelbar nach Amtsantritt wandelte sich der Mann unversehens vom Theologen zu einem machtbewussten, harten und kriegerischen Pontifex Maximus auf dem „Heiligen Stuhl“, der es mit kirchlichen Regeln und Prinzipien nicht so genau nahm.

Wie in allen einschlägigen Betrachtungen über Sixtus übereinstimmend nachzulesen, muss dieser Mensch in der Tat die Inkarnation der Unanständigkeit gewesen sein:

  • Er pflegte den „Nepotismus“, also die Bevorzugung der eigenen Verwandtschaft, in Reinkultur,
  • erhob, unbeeindruckt von Sitte und Moral, eine nicht unerhebliche Anzahl Angehöriger seiner Sippschaft zu Kardinälen und Adeligen,
  • überschrieb ihnen – "Lacoste" es, was es wolle – Ländereien aus kirchlichem Besitz,
  • und machte die häufige Ebbe in der Kirchenkasse wett durch immer neue Steuern, einen florierenden Ablasshandel und übte sich durch den Verkauf kirchlicher Ämter ganz pragmatisch um die klerikale – und damit einhergehend – um seine persönliche, sprich eigene Schatulle.

Was Sixtus IV. sonst noch so veranlasste

Und doch schien genügend Zeit geblieben zu sein, um – zum Beispiel –

  • die Beschlüsse des Konzils von Konstanz (nämlich die, nach denen in bestimmten Situationen das Konzil über dem Papst steht) aufzuheben,
  • die Einführung der vom spanischen Herrscherpaar (Ferdinand II. von Aragón & Isabella I. von Kastilien) geforderten „Spanischen Inquisition“ durchzuwinken,
  • sich über mehrere Jahre in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Florenz (bis hin zum fehlgeschlagenen Mordkomplott an Lorenzo de´ Medici) sowie dessen Verbündete Venedig und Mailand zu verlieren und
  • das Fest der „unbefleckten Empfängnis Marias“ mit seiner Enzyklika „Grave Nimis“ von 1477 verpflichtend für die Kirche erstmals festzuschreiben.

Sixtinische Kapelle

Trotz all dieser im Grunde positiv wenig überzeugenden Handlungen, ist es diesem Unsympathen gelungen, sich mit der – unauslöschlich mit seinem Namen verbundenen – „Sixtinischen Kapelle“ für alle Zeiten ein Denkmal zu setzen.

Etwa ab 1475/77 ließ Sixtus IV. den zuvor unspektakulären Bau der so genannten „Großen Kapelle“ innerhalb des Vatikangeländes aufwendig umgestalten. Mit der Durchführung der beeindruckenden Wandmalereien, wurden eine Reihe zeitgenössischer Künstler verpflichtet – unter ihnen zum Beispiel Sandro Botticelli (*1445/°1510), dessen meiste Bilder (u. a. „Die Geburt der Venus“ und „Der Frühling“) heute in der Uffizien-Galerie in Florenz zu bewundern sind.

Im Jahre 1482 wurden die Arbeiten abgeschlossen und die im neuen Glanz erstrahlende Kapelle von Sixtus im August 1483 eingeweiht.

Das unrühmliche Ende

Wieder ein Jahr weiter, 1484, ebenfalls im August, ging Sixtus den Weg allen Irdischen. Er verstarb an den Folgen eines Schlaganfalls. Möglicherweise auf Grund eines vorangegangenen Tobsuchtanfalls!? Das Bedauern der Zeitgenossen über sein Dahinscheiden, soll sich in überschaubaren Grenzen gehalten haben …

Anmerkungen

Die Päpste, die Sixtus IV. in ihrem Verhalten in nichts nachstanden, waren (unter anderen):

  • Innozenz VIII. (Papst von 1484-1492),
  • Alexander VI. (Borgia; Papst von 1492-1503),
  • Julius II. (Papst von 1503-1513),
  • Leo X. (Papst von 1513-1521),

Nepotismus (lat.: „nepos“/“nepotis“ = „Neffe/Enkel/Nachkomme“) bedeutet soviel wie Vetternwirtschaft.

Mit dem Begriff Simonie wird der Kauf und/oder Verkauf kirchlicher Ämter bezeichnet. Er, der Begriff, ist zurückzuführen auf den in der Apostelgeschichte (NT) Kap. 8/V 18-24 genannten Zauberer Simon, der glaubte, gegen Geld von Petrus die Allmacht Gottes kaufen zu können.

Auf dem zwischen 1414 und 1418 stattgefundenen Konzil von Konstanz, wurde einerseits Kardinal Oddo von Colonna als Martin V. (*1368/°1431) zum Papst gewählt, anderseits wurde – neben anderen Tagesordungspunkten – die Frage geklärt, ob das Konzil generell über dem Papst (Konziliarismus), oder doch lieber der Papst über dem Konzil zu stehen hat.

Sixtus IV. tendierte offensichtlich zu: "Der Papst steht über dem Konzil. Basta!"

Erst Sixtus´ Neffe und Nachnachnachnachfolger Papst Julius II. (*1443/° 1513) beauftragte 1508 den bedeutenden Architekten, Bildhauer und Maler Michelangelo (*1475/°1564), die Deckendekoration zu verändern. Vier Jahre später, 1512, waren die Arbeiten am Deckenfresko mit Szenen der „Geschichte der Genesis“ (1. Buch Mose/Schöpfung, Sündenfall, Sintflut) beendet.

Noch heute sind Besucher der Sixtinischen Kapelle überwältigt beim Anblick der farbenprächtigen Malereien.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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