Was macht das Werk "Die Kritik der reinen Vernunft" von Immanuel Kant so bedeutend?

"Die Kritik der reinen Vernunft" gilt nicht nur als Hauptwerk von Immanuel Kant. Das Buch gilt auch als Beginn der modernen Philosophie. Kant (1724-1804) versuchte mit dem Werk, die gegensätzlichen Anschauungen des Rationalismus und des Empirismus durch "kritische" Betrachtung der beiden Philosophie-Richtungen zu versöhnen.

Erkenntnis über die Sinne oder über die Vernunft?

Sehr vereinfacht zusammengefasst kann man sagen, dass im Rationalismus eine Erkenntnis nur durch Vernunft entstehen kann. Sinnliche Erfahrungen sind hingegen störanfällig und nicht objektiv. Erst durch die Vernunft werden diese sinnlichen Erfahrungen geordnet und das "Wahre" von der Täuschung getrennt. Wesentliche Vertreter des Rationalismus waren Descartes, Spinoza und Leibniz.

Für den Empirismus standen vor allem Francis Bacon, John Locke und Thomas Hobbes. Im Gegensatz zum Rationalismus werden hier die sinnlichen Erfahrungen sehr viel höher bewertet. Sie müssen zwar durch den Verstand verarbeitet werden, aber sie sind gleichwohl die einzig "wahre" Quelle der Erkenntnis.

Und was machte Kant daraus? Er unterzog beide Richtungen einer "Kritik". Am Rationalismus ist demnach falsch, dass die sinnlichen Erfahrungen sehr wohl eine Rolle spielen. Der Empirismus wiederum verkennt laut Kant, dass bestimmte "Wahrheiten" durch die Sinne gar nicht direkt erfassbar sind, zum Beispiel einige Naturgesetze.

Besser können wir das leider auch nicht erklären.

Von der Katholischen Kirche verboten

Die erste Ausgabe der "Die Kritik der reinen Vernunft" erschien 1781. Eine wesentlich erweiterte Auflage kam 1787 heraus und gilt heute als das eigentliche Hauptwerk. Da die Schrift nur schwer verständlich ist (selbst Artikel über das Buch sind meist so verworren, dass man geneigt ist, rasch aufzugeben), brauchte die Katholische Kirche 30 Jahre, bis sie das Buch 1827 auf den Index der verbotenen Bücher setzte. Der wachsenden Popularität von Immanuel Kant, auch nach seinem Tod, tat das keinen Abbruch, im Gegenteil.

Autor: Dr. Jörg Zorn

 

 

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