Wer war Minotaurus - und warum hockte er im Labyrinth von Knossos?

Minotaurus war der Sohn von Pasiphaé, der Gattin des kretischen Königs Minos – allerdings ohne dessen tatkräftige Mitwirkung.

Vorgeschichte

König Minos hatte vom Meeresgott Poseidon eine Zuwendung in Gestalt eines weißen Stiers erhalten, der eigentlich als Opfergabe an den Meeresgott gedacht war. Da aber Minos dieses Prachtexemplar lieber für sich behalten wollte, steckte er es zu seiner Herde, opferte stattdessen ein weniger edles Tier – und verärgerte Poseidon damit nachhaltig.

Poseidon lacht zuletzt

Da fügte es sich gut, dass Pasiphaé in widernatürlicher Leidenschaft zu diesem Stier entbrannt war. Man traf sich, man tat, was zu tun ist, und einige Zeit später gebar Pasiphaé ein monströses stierköpfiges Scheusal – woran der hintergangene Poseidon mit seinen göttlichen Kräften nicht unbeteiligt war.

Nur keinen Skandal

Folgt man der Geschichte weiter, war König Minos verständlicherweise nicht gerade begeistert. Um einen Skandal zu vermeiden, ließ er seinen Baumeister Daedalos unter dem Palast von Knossos einen Irrgarten, ein Labyrinth errichten, in welchem das Ungeheuer, halb Stier, halb Mensch und mit Namen Minotaurus, für alle Zeiten verschwinden sollte. Und so geschah es.

Bis irgendwann Theseus kam und dem Monster aus nachzuvollziehenden Gründen das Lebenslicht ausblies …

Übrigens

Ein Labyrinth, einen Irrgarten im Sinne der Bedeutung des Wortes hat es mutmaßlich in Knossos nie gegeben.

Dafür gab es aber anscheinend einen – bereits von Homer in der Ilias erwähnten – Mosaikfußboden mit labyrinthartigen Mustern, der den Tänzern möglicherweise als roter Faden für den Rebhuhn-Frühlingstanz gedient haben soll.

Nicht auszuschließen ist andererseits, dass das vorgriechische Wort „labrys“ („Doppelaxt“) mit dem daraus abgeleiteten Begriff „Labyrinth“ sowie dem „Palast der Doppelaxt“, der „Labrys“, in Knossos ein Labyrinth vermuten ließ.

Vielleicht ist den Zeitgenossen aber auch nur – sofern sie denn Gelegenheit hatten Knossos kennenzulernen – der Palastkomplex mit seinen verwirrend verschachtelten Bauten und zahlreichen Räumlichkeiten schlicht und einfach wie ein Labyrinth vorgekommen …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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