Die Skythen - was waren das eigentlich für Typen, wie haben sie gelebt?

Nun, als Skythen werden die Reiternomaden der südrussischen/-sibirischen und mongolischen Steppe bezeichnet, die vermutlich ab dem 8/7. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. in die Gegend um das Schwarze Meer vordrangen.

Dort fanden sie ihre neue Heimat, unterhielten ausgeprägte Handelsbeziehungen zu den Griechen und anderen Völkern, brachten der staunenden antiken Welt das Tragen von Hosen näher, legten sich auf ihren Beutezügen erfolgreich mit Persern (Achämeniden) und anderen an, um schließlich im Laufe des 3. Jahrhunderts dem geschichtlichen Vergessen anheimzufallen.

Schrift und Sprache

Glaubt man den umfangreichen, aber doch mythisch gefärbten Überlieferungen des griechischen Historikers Herodot (*etwa 485/°424 v. Chr.) und des berühmten Arztes des Altertums, Hippokrates von Kos (*etwa um 460/°370 v. Chr.), oder legt man die fundierten Forschungsergebnisse der Archäologie zu Grunde, dann besaß die „Vielvölker“-Stammesfamilie der Skythen zwar  keine eigene Schrift, hat daher nichts eigenständig Geschriebenes hinterlassen, aber nachgewiesenermaßen eine indogermanische/indoeuropäische Sprache gesprochen.

Pferdeliebhaber, Krieger, Jäger und Fischer

Ohne jemals einen zentral gelenkten Staat gebildet zu haben, expandierten die Steppenreiter territorial bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. hinein.

Zum anderen werden die Skythen in den Überlieferungen als leidenschaftliche Pferdeliebhaber und damit einhergehend als hervorragende Reiterkrieger mit ausgefeilter Kriegstechnik geschildert. Nach Aufzeichnungen des Hippokrates (wissenschaftlich allerdings nicht verbrieft) sollen sogar ihre Frauen äußerst streitbar und kämpferisch gewesen sein.

Außerdem gelten die Skythen als ausgezeichnete Jäger und Fischer.

Pflanzenpaste und Tattoos

Der Legende nach, zumindest nach bisher unbewiesener Behauptungen der beiden Griechen Herodot und Hippokrates, pflegten die Skythen eine Reihe zum Fürchten gruseliger Stammesbräuche sowie – wie bei Herodot nachzulesen – eine ungewöhnlichen Art der Körperhygiene (Pflanzenpaste statt Wasser). Darüberhinaus sollen sie eine ausgeprägte Vorliebe für Körperschmuck in Form von Tattoos gehabt haben.

Mit der Reblaus auf gutem Fuß

Eine Fülle bei Ausgrabungen gefundener, vorzugsweise mit Gold geschmückter Kleidung, aufwendiger Trinkgefäße, Waffen, Verzierungen an Zaumzeug und Pferden sowie weiterer Gebrauchsgegenstände aus Holz, Leder und Metall mit ausdrucksvoller Schmiedekunst in Form von Tiermotiven, lassen darauf schließen, dass das Reitervolk nicht nur über reichliche Goldvorkommen verfügt haben, sondern auch der Kunst zugetan gewesen sein muss.

Es kann also den Steppenreitern wahrlich nicht schlecht gegangen sein. Wie es sich darstellt, haben sie es anscheinend gut verstanden ihr Leben auf angenehme Art zu gestalten.

Eine Eigenschaft, die auch den Verdacht der Griechen plausibel macht, die Skythen seien eine Horde schrecklicher Trunkenbolde, unmäßiger Trinker, die sich, unüblich für die Zeitgenossen, mit unverdünntem Wein, also ohne Wasserzusatz, zuschütteten.

"Barbaren mit Stil"

Grabbeilagen lassen dagegen nicht nur vermuten, dass der Besitz von Wein für die Skythen ein Ausdruck von Wohlstand war, sondern ihn, einem ausgeprägten Totenkult zur Folge, auch den Verstorbenen mitgaben.

Wenn nicht ohnehin schon als „Barbaren mit Stil“ zu bewerten, macht doch erst recht die Liebe zum Wein dieses nomadische Reiter- und Steppenvolk der Skythen zum Sympathieträger, oder etwa nicht ...?

Autor: Manfred Zorn

 

 

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