Was bedeutet eigentlich der Begriff „prä- oder vorkolumbianisch“?

Mit dem Begriff „prä(vor)kolumbianisch“/„präkolumbisch“ wird einerseits die Zeit von der ersten Besiedlung bis zur Enddeckung des (mittel-)amerikanischen Kontinents durch Christoph Kolumbus (*1451/°1506) im Jahre 1492, andererseits aber auch die darüber hinaus gehende Zeit der Kolonisierung bis in die so genannte Frühe Neuzeit umrissen.

Und um was geht es dabei genau?

Um indianisch-(amerikanische) Hochkulturen. Die bekanntesten indianischen Hochkulturen, die dieser Zeit zugerechnet werden, sind die der:

  • Maya – etwa ab 3000 v. Chr. bis heute – vornehmlich in Yucatán/Mexiko und Guatemala,
  • Chavín – um 900 bis 200 v. Chr. – Peru,
  • Olmeken – um 1800 bis 400 v. Chr – im Süden Mexikos,
  • Zapoteken – um 500 v. Chr. bis etwa 900 n. Chr. – Ausgrabungsstätte Monte Albán bei Oaxaca de Juárez/Mexiko,
  • Mixteken – nachweisbar ab 200 v. Chr., Blütezeit etwa zwischen 1000/1520 n. Chr. – südwestliches Mexiko,
  • Tolteken – um 900 bis etwa zum Ende des 12. Jahrhunderts – nördlich von Mexiko-City,
  • Azteken – etwa vom 13/14. bis ins frühe 16. Jahrhundert – Mexiko-City (Tenochtitlán) und
  • Inka – etwa 1300 bis 1532 – Peru und Bolivien.

Auffälligkeiten in Südamerika? Nur bedingt!

Im großen Rest des südamerikanischen Kontinents spielen die dort zweifelsfrei ebenfalls in grauer Vorzeit beheimateten indigenen Ureinwohner – im Sinne der o. gen. Völker/Hochkulturen Mittelamerikas – eine bisher (von der einen oder anderen Ausnahme abgesehen) mehr oder weniger nur nachgeordnete Rolle.

Relikte ihrer Kultur, zum Beispiel festgehalten in baulicher Hinterlassenschaft, sind vergleichsweise wenig erforscht. Aber natürlich gibt es sie noch, die Nachfahren präkolumbianischer Indiovölker.

Sofern nicht im Zuge der Kolonisierung ab dem 16. Jahrhundert ausgerottet, leben sie – unter anderem – in Chile, Costa Rica, Ecuador, Paraguay, Uruguay, Nicaragua (benannt nach dem um 1400 eingewanderten Indiovolk der "Nicarao") und anderswo.

Allerdings – seit langem christianisiert, ihr Brauchtum und ihre kulturelle Eigenständigkeit nur mühsam aufrechterhaltend – leben sie heute, als überschaubare Minderheit, weitestgehend zurückgezogen und mehrheitlich kaum einen roten Heller besitzend in relativer Armut ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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