Was hat Christoph Kolumbus mit einem gewissen Claudius Ptolemäus zu tun?

Nun, einmal abgesehen davon, ob – oder dass – in grauer Vorzeit bereits Karthager, Afrikaner, Wikinger oder gar Chinesen ihren Fuß auf den später Amerika genannten Kontinent (egal, ob auf den nördlichen oder südlichen Teil) gesetzt haben, wird unter dem sogenannten Zeitalter der Entdeckungen allgemein der Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert verstanden.

Und zu der Zeit bezogen sich die Protagonisten der „ersten Stunde“ (15. und 16. Jahrhundert) bei ihren nautischen Betrachtungen in aller Regel auf den griechischen Mathematiker, Geographen und Astronomen Claudius Ptolemäus (*etwa 100/°um 180).

Rückgriff auf Ptolemäus´ Berechnungen

Ptolemäus hatte den Zeitgenossen mit seinen Überlegungen und wissenschaftlichen Arbeiten die Vorstellung der Erde als Kugel nähergebracht.

Warum also sollte nicht auch Christoph Kolumbus (*1451 in Genua, Italien/°1506) die Vorstellung haben, Indien auf zwei Wegen erreichen zu können. Entweder auf dem Weg in Richtung Osten um Afrika herum, oder in Richtung Westen – von dem man allerdings nicht wusste, was sich dort auftun würde.

Egal, unter Zugrundelegung der ptolemäischen Berechnungen wagte Kolumbus 1492 diesen Schritt.

Falsche Annahme

Aber dummerweise hatte sich der gute Ptolemäus im Umfang der Erdkugel verrechnet.

Er reduzierte nämlich die lange zuvor vom griechischen Gelehrten Eratosthenes (*etwa 263 v.Chr./°194 v. Chr.) fast richtig festgestellten 34.400 Kilometer (tatsächlich sind es 40.076 km) auf schlappe 24000 km – was wiederum dem mutigen Kolumbus, der auf dieser Basis navigierte, zum Nachteil gereichte.

Lebenslange Uneinsichtigkeit

Kurz und gut, als Kolumbus endlich Land in Sicht sah, glaubte er – statt der Karibischen Inseln und später entlang der Küste Mittelamerikas von Honduras bis Kolumbien – Japan, die chinesische Küste und eben Asien mit Indien entdeckt zu haben. Westindien, eben.

Bis zu seinem Tod 1506 in Valladolid/Spanien hielt er stur an dieser Überzeugung fest. Dass er die so genannte „Neue Welt“ aufgetan haben könnte, kam ihm schlicht nicht in den Sinn.

Noch heute sind mit dem Begriff Westindien die Karibischen Inseln gemeint – oder umgekehrt.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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