Warum gilt Leonardo da Vinci als Universalgenie?

Der 1452 unehelich und mutmaßlich in Anchiano bei Vinci, einem kleinen Ort in der Toskana/Italien, geborene Leonardo di ser Piero (später: „da Vinci“ -> zurückzuführen auf den Geburtsort), gehört unbestritten zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Renaissance.
Obwohl nur die wenigsten seiner Gemälde bei seinem Tod vollendet waren, gehört Leonardo allemal in die Reihe einiger weiterer außergewöhnlicher „bildender Künstler“ dieser Epoche wie - beispielsweise - Michelangelo, Raffael, Tizian, Boticelli, Albrecht Dürer oder Pieter Bruegel.

 

Steckenpferde

Zum Malen und Bildhauern scheint dieses künstlerische Schwergewicht wohl deswegen nicht so ausgiebig gekommen zu sein, weil Interesse und Neugier gleichzeitig von einer Vielzahl unterschiedlichster Wissensgebiete in Anspruch genommen wurden.
So lagen die Lieblingsbeschäftigungen des Künstlers, Philosophen, Architekten, Ingenieurs und Querdenkers denn auch mehr - zum Beispiel - in der Erforschung der menschlichen Anatomie (-> „dem Studium der Leichen“), der Botanik, Optik, Hydraulik, Geologie, Mechanik und Astronomie.

 

Daniel Düsentrieb - Erfinder und Tüfftler

Unter Leonardo da Vincis Arbeiten - in, wie es heißt, über 5000 Skizzen, Entwürfen und Notizen der Nachwelt hinterlassen - finden sich beispielsweise Konstruktionspläne und Bauanleitungen für

  • Fluggeräte (-> u.a. Helikopter, Fallschirme),
  • Druckpumpen,
  • Brennspiegel,
  • Schleifapparate und Dampfmaschinen.

Weiterhin beschäftigte er sich mit

  • Waffentechnik (-> u.a. Unterseebooten, Panzern, Gasmasken, Taucheranzügen),
  • Kartographie,
  • Festungs- und Städtebau

und schuf - in Anlehnung an den aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammenden römischen Architekten Marcus Vitruvius Pollio -

  • die Zeichnung des so genannten, häufig auch mit dem Begriff „Goldener Schnitt“ in Verbindung gebrachten „vitruvianischen Menschen“ - was, stark verkürzt und vereinfacht gesagt, eine Proportionsstudie menschlicher Figuren darstellt (-> Original: Galleria dell' Accademia/Venedig).

 

Mit Pinsel und Palette

In der Kunst perfektionierte Leonardo die Perspektivmalerei und entwickelte erwiesenermaßen eine aufwendige Maltechnik, die es ihm und seinen späteren Malerkollegen erlaubte, Gemälden mit rauchig verschwommenen Umrissen (-> „Sfumato“) sowie Übergängen von Licht und Schatten, von Hell zu Dunkel („Chiaroscuro“) mehr Tiefe, Intensität und Transparenz - also so etwas wie dreidimensionalen und stimmungsvollen Ausdruck - zu verleihen.

Leonardo da Vincis bekannteste Gemälde sind unter anderen:

  • Das Portrait der „Mona Lisa“ und „Johannes der Täufer“ (-> Louvre/Paris),
  • „Das letzte Abendmahl“ (Kloster Santa Maria delle Grazie/Mailand),
  • „Die Dame mit dem Hermelin“ (Czartoryski-Museum/Krakau),
  • „Die Verkündigung“ (Uffizien/Florenz),
  • „Madonna Benois“ (Eremitage/St. Petersburg) und
  • die „Madonna mit der Nelke“ (Alte Pinakothek/München).

 

Langer Rede, kurzer Sinn

Leonardo da Vinci scheint sich sozusagen mit „Allem“ beschäftigt zu haben und leistete auf (fast) allen wissenschaftlichen Gebieten nicht nur Erstaunliches, sondern dank seiner ausgeprägten künstlerischen Fähigkeiten auch Großartiges als Maler.

Leonardo verstarb im Mai 1519 mit siebenundsechzig Jahren im Herrenhaus des Schlosses Clos Lucé in Amboise an der Loire, seinem ihm vom französischen König Franz I. (*1494/°1547) zur Verfügung gestellten Alterssitz.

Bis heute gilt Leonardo da Vinci der Nachwelt als einer der größten Künstler und schöpferischsten, auch visionär denkenden Persönlichkeiten und Talente aller Zeiten.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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