Was bedeutet eigentlich der Begriff „jüngere Linie“ der Medici?

Kurz gesagt: Die Medici der „jüngeren Linie“ begründeten den Adelsstand (-> Fürsten, Großherzöge) des – ursprünglich aus dem  Kaufmanns- und Bankiersstand stammenden, aber zu anerkannten Patriziern (-> Oberschicht) avancierten – Medici-Clans.

 

Wie alles begann

Eine große Familien-Dynastie hat naturgemäß eine Vielzahl verwandtschaftlicher Beziehungsverflechtungen. Da machte der Medici-Clan keine Ausnahme.
Obwohl beide den gleichen Vater – nämlich Giovanni Averado di Bicci (*1360/°1429) – hatten, zeigt der Stammbaum der Medici zwei Linien:

  • Cosimo der Ältere, „Il Vecchio“ (*1389/°1464) der als Gründer der so genannten „ältere Linie“ (-> „di Cafaggiolo“) gilt, und sein Bruder
  • Lorenzo di Giovanni de´ Medici (*1395/°1440), der sozusagen als "Urvater" die „jüngeren Linie“ des Stammbaums anführt.

 

Namensänderung aus Protest

Lorenzo di Giovanni de´ Medici hatte ebenfalls zwei Söhne:

  • Francesco (verheiratet mit einer gewissen Maria Gualtierotti) und
  • Pierfrancesco I. de´ Medici (etwa *1431/°1477).

Soweit, so gut. Die beiden muss man vielleicht nicht unbedingt kennen. Doch mit den Söhnen Pierfrancescos, wieder waren es zwei, wird´s langsam spannender. Denn

  • Lorenzo di Pierfrancesco de´ Medici (*1463/°1503) und
  • Giovanni di Francesco de´ Medici (*1467/°1498)

überwarfen sich – wie so oft, ging es auch hier um Erbstreitigkeiten – mit  ihrem Vormund Lorenzo dem Prächtigen (*1449/°1492) aus der „älteren Linie“, wandten sich nach dessen Tod gegen des Prächtigen Sohn Piero und änderten 1494 demonstrativ ihren Namen Medici in „il Popolani“ (-> „zugunsten des Volkes“).

 

Wen es unter anderen noch gab

Weitere wichtige Protagonisten der „jüngeren Linie“ waren:

  • Giovanni delle Bande Nere (*1498/°1526), der Vater
  • Cosimos I. (*1519/°1574), 1570 von Papst Pius V. (*1504/°1572) zum „Großherzog der Toskana“ gekrönt,
  • Ferdinand I. de´ Medici (*1549/°1609), Kardinal und später Großherzog der Toskana,
  • Maria de´ Medici (*1575/°1642), wurde durch Heirat im Oktober 1600 mit Heinrich IV. von Frankreich (*1553/°1610) zur Königin von Frankreich und schließlich war da noch – neben einer ganzen Reihe anderer –
  • Gian Gastone de´ Medici (*1671/1737), letzter Großherzog der Toskana aus dem Hause Medici, mit dessen Tod es mit der Geschlechterfolge endgültig zu Ende war. Der Mann hinterließ keine Nachkommen. Sang und klanglos fiel das Großherzogtum Toskana an die Habsburger.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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