Was hat Papst Innozenz VIII. (*1432/°1492) mit der „Hexenbulle“ zu tun?

Er war, wenn man so will, Co-Autor und verantwortlicher Herausgeber dieser "Hexenbulle" genannten Schrift.

Wer war dieser Mann?

Aus der Vorpapstzeit Innozenz´ VIII. sind – neben seinem ursprünglichen Namen Giovanni Battista Cibo, dem Geburtsjahr 1432 und dem Geburtsort Genua – wie es scheint nur seine kirchlichen Karriereschritte bekannt.

So soll er

  • 1467 Bischof von Savona (Ligurien/Italien),
  • 1472 Bischof von Molfetta (Apulien/Italien) gewesen sowie ein Jahr später,
  • 1473, von Papst Sixtus IV. (*1414/°1484)

zum Kardinal erhoben worden sein.

Ämterkauf und Korruption

Seine Wahl zum Nachfolger Sixtus´ IV. als Papst Innozenz VIII. im August 1484 wiederum soll – so heißt es – auf ein gerüttelt Maß an Kungelei, Bestechung sowie dem Geschacher von Schmier- und Schweigegeldern zurückzuführen gewesen sein.

Zwar ohne weltlichen Ehrgeiz, aber Zölibatsverweigerer und geschickter Heiratspolitiker

Politisch als nicht sonderlich ambitioniert geschildert und sich daher in Amtsgeschäften gern vom Neffen des verstorbenen Sixtus, Giuliano della Rovere (ab 1503 bis 1513 als Julius II. selber Papst), beraten lassend, scheint Innozenz VIII. darüber hinaus aber absolut kein Tugendbold gewesen zu sein.

Immerhin werden ihm – wenigstens – sechzehn Kinder nachgesagt. Acht Knaben und acht Mädchen! Das kostet!

Hinzu kam sein aufwändig geführter „Hofstaat“, dem Innozenz mit dubiosen Geldgeschäften bis hin zur Verpfändung der bischöflichen Mütze (Mitra), der päpstlichen Krone (Tiara) und sonstiger Kirchenschätze beizukommen versuchte.

Einer im Begriff stehenden kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Königshaus Neapel begegnete Innozenz mit geschickter Heiratspolitik. Kurzerhand verkuppelte er einen seiner Söhne mit der Tochter Lorenzos de Medici und eine seiner Enkelinnen mit einem Onkel des Königs Ferrante von Neapel.

Ein Fass, eine Krone und die "Hexenbulle"

Soweit so gut – und alles gewiss nicht sonderlich sympathisch.

Aber dem Fass die Krone auf setzte er unmittelbar nach seiner Amtseinführung mit der (im Rückblick die katholische Kirche nachhaltig belastenden) Veröffentlichung seiner so genannten „Hexenbulle“ („Summis desiderantes affectibus“).

Der Text dieser „Bulle“ – und die war keineswegs eine Ruhmestat – basierte auf den Vorgaben eines gewissen Henricus Institoris, der eigentlich Heinrich Kramer hieß, etwa zwischen 1430 und 1505 lebte, um 1486/87 herum seine Ideen zur Hexenverfolgung in seinem Traktat „Hexenhammer“ niederlegte und sich im Folgenden als vehementer Verfechter und maßgeblich Beteiligter der Inquisition einen unrühmlichen Namen machte.

Auswirkungen

Die aufgrund der „Hexenbulle“ und des „Hexenhammers“ sanktionierte und somit auf volle Touren gebrachte Hexenverfolgung, die in fadenscheinigen Hexenprozessen gipfelte und nach geradezu unmenschlichen Foltermethoden abertausende Frauen mit erzwungenen Geständnissen in den Tod schickte, dauerte noch bis ins 18. Jahrhundert hinein an.

Papst Innozenz VIII. hat die extremen Auswirkungen seiner „Hexenbulle“ nicht mehr erlebt. Er verstarb im Juli 1492 in Rom.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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