Womit hat sich Papst Julius II. hervorgetan?

Obwohl Giuliano della Rovere (*1443/°1513), ab 1503 Papst Julius II., in kirchlichen Fragen – milde ausgedrückt – eher zurückhaltend bis wenig agierte, wird ihm dennoch, in erster Linie vermutlich wegen seines politisch-militärischen Geschicks und seines Faibles für die schönen Künste, eine gewisse Bedeutung beigemessen.

Jagd auf Cesare Borgia

Kaum in Amt und Würden entriss er – sozusagen im Handstreich – Cesare Borgia dessen immer noch üppige Besitzungen des Kirchenstaates, ließ ihn verhaften und schob den Sohn des zuvor verstorbenen Papst Alexanders VI. (*1431/°1503) kurzerhand ab ins Exil nach Spanien.

Das könnte durchaus als Verdienst gewertet werden.

"Heilige Liga", 5. Laterankonzil und Franzosen raus

Ebenso die Vertreibung König Ludwigs XII. von Frankreich (*1462/°1515) im April 1512 – anlässlich der Schlacht bei Ravenna – aus Italien.

Immerhin wurde Julius II. für diesen Erfolg – den er gemeinsam mit der von ihm ins Leben gerufenen „Heiligen Liga“, bestehend aus ihm selbst sowie

  • Kaiser Maximilian I. von Habsburg,
  • König Ferdinand II. von Aragón und der
  • Republik Venedig –

errungen hatte, Anfang 1513 von den Römern als „Befreier Italiens und Überwinder des Schismas" ausgiebig gefeiert und geehrt.

Die Sache mit dem Schisma (Kirchenspaltung) basiert auf dem von Julius im April 1512 einberufenen und nach dessen Tod 1513 von Papst Leo X. bis 1517 weitergeführten 5. Laterankonzil.

Päpstliche Bodyguards

Wohlwollend betrachtet mag auch die Gründung der päpstlich-vatikanischen Leibwache („Schweizer Garde“) eine gute Sache gewesen sein.

Die ausschließlich aus der Schweiz stammenden Gardisten bewachen – neben einer Handvoll anderer nichtmilitärischer Aufgaben – noch heute die Eingänge der Vatikanstadt und begleiten/schützen den Papst auf Reisen.

Kunstliebhaber, Förderer und Geldgeber

Und dann ist da in diesem Zusammenhang noch Julius´ II. Mäzenatentum in Sachen Kunst zu erwähnen.
So wurden – zum Beispiel –

  • Michelangelo (*1475/°1564) mit der weiteren Ausgestaltung des Deckengewölbes der Sixtinischen Kapelle sowie seines, Julius´ II., aufwendigen Grabmahls aus Carraramarmor in der Kirche San Pietro in Vincoli al Colle Oppio (nahe Kolosseum/Rom) betraut,
  • Raffael (*1483/°1520) für die Ausstattung der vatikanischen Audienz- und Privatgemächer in Dienst gestellt und der Architekt
  • Donato Bramante (*1444/°1514) für den Neubau des Petersdoms sowie einer Reihe von baulichen Umgestaltungen der Stadt Rom angeheuert.

All das in herostratischer Ruhmsucht und kraft Amtes durchgesetzt vom ehrgeizigen, hitzköpfigen und cholerisch veranlagten – auch „Il Terribile“ („der Schreckliche“) genannten – Papst Julius II.

Übrigens

Das monumentale Grabmahl, ursprünglich im Petersdom vorgesehen, aus kosten- und bautechnischen Gründen aber letztlich in der Kirche San Pietro in Vincoli al Colle Oppio errichtet, hat die sterblichen Überreste des auf seinen Nachruhm bedachten Renaissancepapstes nie aufgenommen. Es diente und dient lediglich als Ehrenmal („Kenotaph“).

Julius II. verstarb gegen Ende Februar 1513 und liegt, gemeinsam mit Papst Sixtus IV., unter einer schlichten Marmorplatte in der Basilika St. Peter/Petersdom.

Seine letzte Ruhestätte ist für den geneigten Besucher nicht auf Anhieb zu entdecken.

PS

Geradezu als Treppenwitz der Geschichte erscheint einerseits die Papstwahl Julius´ II., der die Stimmenmehrheit mit einer gehörigen Portion Bestechung erzielt haben soll sowie andererseits sein unmittelbar nach Amtsübernahme veranlasstes Verbot jeglichen Ämterkaufs („Simonie“) – mit dem vorgeschoben Argument, der katholischen Kirche und dem Stuhl Petri endlich wieder mehr Würde verleihen zu wollen.

Letzteres sollte allerdings noch einige Zeit dauern …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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