Was beabsichtigte Papst Leo III. mit der Geste des Entgegenreitens?

Papst Leo III., der vor einer Synode (-> Bischofsversammlung) einen so geannten "Reinigungseid" ablegen sollte, wollte bei Karl dem Großen schlicht und einfach für "gut Wetter" sorgen. 

Ende November 800 lagerte Karl der Große mit seinem Tross bei Mentana, einer kleinen Stadt in der Region Latium/Italien. Auf dem Weiterweg nach Rom kam ihm Papst Leo III. - gefolgt von dessen Entourage aus Kirchenfürsten, Mönchen und einem Haufen nicht sehr Vertrauen erweckender Gestalten - bereits vor den Toren der Stadt entgegen.

Nicht, dass allein schon diese Kamarilla sonderbar auf Karl und seinen Hofstaat wirkte, sondern mehr noch die Tatsache, dass ein Papst einem König entgegen geritten kam, erweckte Argwohn unter Karls Leuten.

Eine derartige Ehrung galt bis dahin als unüblich, und hätte umgekehrt im Grunde mehr Sinn gemacht. Was wollte also dieser schräge Vogel von Karl und den Franken?

Nun, wie gesagt, Leo wollte von den Vorwürfen seiner Gegner freigesprochen werden. Und da Karl bei der bevorstehenden Anhörung das letzte Wort hatte, sollte das möglichst günstig für Leo ausfallen. Und in der Tat - Leo wurde freigesprochen und blieb bis zu seinem Dahinscheiden (816) Papst.

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

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