Wer waren die Franken, die Merowinger und wer die Karolinger?

Der Name ‚Franken‘ taucht zum ersten Mal – etwa zur Mitte des 3. Jh. – in römischen Quellen auf. In diesen Aufzeichnungen werden sie, die Franken, als lediglich lose miteinander verbundene germanische Stämme geschildert, die zu der Zeit marodierend durch das von Rom beherrschte Gallien zogen. Dann, so gegen Ende des 5. Jh. gelang es einem bis dahin unbedeutenden salischen Kleinkönig aus dem Familienclan der Merowinger namens Chlodwig I. (*466/°511) sich nicht nur der Römer zu entledigen, sondern sich auch alle anderen Konkurrenten aus der Vielzahl fränkischer Stämme untertan zu machen.

Exkurs 1: Woher kommt der Name Merowinger?

Der Name ‚Merowinger‘ soll, so heißt es, auf einen gewissen Merowech zurückzuführen sein. Seines Zeichens möglicherweise ebenfalls ein so genannter ‚Kleinkönig‘ mit örtlich begrenzter Machtausübung. Ob es diesen Merowech allerdings tatsächlich gegeben hat, darüber herrscht bis heute weitestgehend Unklarheit.

Exkurs 2: Was bedeuten die Begriffe Sal- und Rheinfranken?

Beide Stämme gehörten zu den im Rheingebiet siedelnden Franken. Im Laufe des 4. Jahrhunderts trennten sich ihre Wege.

  • Die „Rheinfranken“ – nach ihrem ersten Herzog auch „Ripuarier“ genannt – blieben im Rhein-Mosel-Gebiet. Also etwa in der Gegend um Köln über Mainz bis Worms und Speyer.
  • Die „Salfranken“ (Salier) dagegen siedelten um die Rheinmündung und den Ärmelkanal herum, unterlagen aber dem unstillbaren Drang, beständig weiter nach Süden vorzudringen. Unter der Herrschaft des merowingischen Königs Childerich I. (gest. um 481/482) ließen sie sich in Toxandrien (belgisch-niederländische Grenzregion), dann in und um Tournai (älteste Stadt Belgiens) und später – unter Chlodwig I. – in Soissons (Nordfrankreich) nieder.

Chlodwig I. (Merowinger)

Chlodwig I. trat nach dem Tod seines Vaters Childerich I. (etwa um 481/482) mit fünfzehn/sechzehn Jahren dessen Nachfolge an.

Den Chroniken zur Folge soll er so etwas wie der Urtyp eines ausgemachten Rohlings gewesen sein – unfreundlich, brutal, ungebildet, verdorben, total gewissenlos, aber bauernschlau. Er hat geraubt, geplündert, gemordet und den Frauen nachgestellt. Und doch entpuppte er sich als herausragender Feldherr und gilt heute als bedeutendster Herrscher aus dem Clan der Merowinger.

Ursprünglich, wie schon gesagt, lediglich so etwas wie ein Distriktkönig, gelang es ihm im Laufe seiner gut dreißigjährigen Regierungszeit, sein Reich sukzessive zu vergrößern. Ausgesprochen erfolgreich kämpfte er gegen Alemannen, Aquitanier, Westgoten, seine fränkischen Kontrahenten und Widersacher sowie gegen den letzten römischen Statthalter Galliens namens Syagrius. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts gründete er das so genannte ‚germanisch-romanische‘ Frankenreich. Chlodwig I. verstarb 511 – nur wenig später nach der Synode von Orléans – in Paris. In der Stadt, die – nach Soissons – inzwischen Residenz und politischer Mittelpunkt des merowingischen Frankenreiches geworden war.

Aber, so richtig groß werden braucht seine Zeit

Die Merowinger benötigten gut dreihundert Jahre sowie mindestens etwa fünfunddreißig merowingische Könige, um das – zu seinen besten Zeiten aus etwa dem gesamten heutigen Frankreich, den Beneluxstaaten und großen Teilen Deutschlands bestehende – Fränkische Reich zu beherrschen.

Die Merowinger - eine schrecklich nette Familie

Allerdings verlor sich das Herrschaftssystem des merowingischen Familienclans über die Jahrhunderte zunehmend in familiären Auseinandersetzungen. Verkorkste Erbfolgen, Intrigen, Verrat, Bruderzwist, unmethodisch angelegte Reichsteilungen, Korruption und Mord (Lebenslichter wurden auch schon mal ohne Ansehen des Verwandtschaftsgrades einfach so ausgeblasen) machten Schule im Frankenreich.

Der Anfang vom Ende

Ab dem 7. Jahrhundert ging es mit der Dynastie peu á peu bergab. Ihre Mitglieder hatten sich in Kriegen dezimiert, waren entweder durch Bluttaten dahingerafft oder (seltener) eines natürlichen Todes gestorben, und die Hausmeier („maior domus“) aus dem Geschlecht der aufstrebenden Karolinger wurden zur bestimmenden Macht.

Exkurs 3: Hausmeier

Hausmeier, ein Amt, dass vermutlich bereits im Zuge der Völkerwanderung entstanden war und salopp mit dem neudeutschen Begriff ‚Facility Manager‘, sprich Hausmeister, beschrieben werden kann. Unter den Merowingern arrivierten die Hausmeier zum Vorstand königlicher Haus- und Hofhaltung mit weitreichenden Kompetenzen. Letztlich bis hin zu leitenden Funktionen im Militärdienst und in der Staatsführung.

Pippin III. (Karolinger)

Schließlich, die schwindende Macht der Merowinger machte es möglich, setzte der bisherige Hausmeier Pippin III. (*715/°768; Vater Karls des Großen)

  • (a) 751 den letzten Merowinger-König Childerich III. (*?/°um 755) ab,
  • (b) sich selbst die Königskrone auf und schaffte
  • (c) das Amt der Hausmeier ab.

Die Karolinger wurden, wie weiter oben schon erwähnt, zur bestimmenden Macht des Frankenreichs. Nach der Teilung des Reiches 843 in Ost- und West, hielt sich das Ostfränkische Reich bis 911 und das Westfränkische Reich bis 987.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Deutsche Geschichte - 500 bis 1152 - Vom Frankenreich zum Deutschen Reich" (Bertelsmann Lexikon Verlag); "Allgemeinbildung XXL" (Compact Verlag)

 

 

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