Rom, heilig, Reich, deutsch, Nation – wie hängen diese Begriffe zusammen?

Alles begann, großzügig ausgelegt, mit der römischen Kaiserzeit (etwa 27 v. Chr. bis 476 n. Chr.). Im Besonderen mit Cäsar (*100/°44 v. Chr.), dessen Name lautsprachlich dem Begriff "Kaiser" oder auch "Zar" entspricht und in dieser Form später zum Bestandteil des Titels sowohl nachfolgender römischer, als auch der späteren römisch-deutschen Herrscher wurde.

Getoppt wurde der Titel mit der Bezeichnung "Imperator Cäsar Augustus", der 27 v. Chr. dem ersten römischen Kaiser Augustus (Gaius Octavius; *63 v. Chr./14 n. Chr.) vom Senat verliehen wurde.

Ostrom, Westrom und die Völkerwanderung

Ab etwa 395 n. Chr. war das Römische Reich in Ost- und Weströmisches Reich geteilt, wurde zwar immer noch als ein Imperium verstanden, aber von zwei Kaisern regiert.

  • Während das Oströmische Reich (Byzanz/Konstantinopel/Istanbul) bis ins 7. Jahrhundert (etwa 626 n. Chr.) Bestand hatte,
  • hatte Westrom mit Beginn der Völkerwanderung keine reale Chance gegen die ins Reich eindringenden germanischen Stämme (z.B. Goten, Vandalen), die auf dem eroberten Terrain eigene Reiche schufen,

um schließlich im 5. Jahrhundert die Herrschaft in Italien (als Franken, Merowinger, Karolinger & Langobarden) zu übernehmen.

Karl der Große

Erstmals seit 476, dem Ende der römischen Kaiserzeit, erhält Karl der Große im Jahre 800 wieder die Kaiserwürde und trägt den Titel:

  • „Karl, durchlauchter Augustus, von Gott gekrönter, großer Frieden stiftender Kaiser, das Römische Reich regierend, von Gottes Gnaden auch König der Franken und Langobarden“ –

womit seine Idee einer Wiederherstellung des alten Römischen Reiches zum Ausdruck gebracht wurde.

Regnum teutonicorum

Dann, mit der Teilung des Fränkischen Reiches 843, entstand das Ostfränkische Reich, das ab 919 als „Deutsches Reich“ („regnum teutonicorum“) bezeichnet wird.

Otto I. der Große

Seit der Kaiserkrönung 962 Ottos I. des Großen, wird das deutsch-italienische Staatsgebiet „das Reich“ (lat.: „imperium“) genannt und mit der Tradition des antiken Römischen Reiches verbunden.

Der Begriff „heilig“ im Namen, weist darauf hin, dass sich die Herrschenden als von „Gottes Gnaden“ eingesetzte Könige/Kaiser verstanden.

Deutsche Nation

Der Zusatz „Deutscher Nation“ stammt aus dem 15. Jahrhundert, umfasste – in der Definition – die heutigen Nationalstaaten Deutschland und Österreich, grenzte sich damit vom „Westfränkischen Reich“ (heute im Wesentlichen: Frankreich) ab und hatte bis 1806 Bestand.

Zum guten Schluss

Im Zuge der napoleonischen Kriege und deren Auswirkungen, endete das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation" im August 1806 mit der Abdankung des letzten Kaisers dieses Konstrukts, Franz II. (*1768/°1835), der allerdings als Franz I. bis zu seinem Tod Kaiser von Österreich blieb.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige