Woran ist Papst Leo IX. letztlich gescheitert?

Möglicherweise an seinem kriegerischen Ehrgeiz.
Als die in Süditalien agierenden Normannen ihren Einflussbereich auch auf den Kirchenstaat ausdehnen wollten, beschloss der vierte deutsche Papst Leo IX. (*1002/°1054) mit einem eigenen Heer gegen sie vorzugehen.

Dieses Mal allerdings ohne Unterstützung Heinrichs III. (*1017/°1056), aber mit Hilfestellung des byzantinischen Kaisers Konstantin IX. Monomachos (*etwa um 1000/°1055).
Eine Angelegenheit, die nicht zwingend Sache eine Papstes sein konnte.

Parallel liefen Verhandlungen zwischen byzantinischen und römischen Unterhändlern mit dem Ziel, eine Vereinigung beider Kirchen (-> der orthodoxen und römisch-katholischen) herbeizuführen.
Beide Unternehmungen scheiterten.

Zum einen misslang der Versuch einer Einigung an der Kompromisslosigkeit der Gesandten beider Lager, die sich  letztlich nicht über liturgische und dogmatische Fragen verständigen konnten, zum anderen erlitt Leo IX. in der Schlacht von Civitate (-> Apulien/Italien) im Juni 1053 sein „Waterloo“.
Er geriet in normannische Gefangenschaft, wurde zwar nach einigen Monaten entlassen, verstarb aber kurz darauf - im April 1054 - in Rom.

Die von ihm kurz zuvor noch veranlasste Exkommunikation sämtlicher Anhänger der Orthodoxie und die Konsequenz daraus - nämlich die endgültige Spaltung der orthodoxen und katholischen Kirche - hat Leo IX. somit nicht mehr erfahren.
Naturgemäß ebenfalls nicht, dass die durch ihn erreichte Stärkung des Papsttums letztendlich dazu führte, dass sein Nachfolger Gregor VII. (*etwa zwischen 1025-1030/°1085) später - ganz im Sinne einer Vergrößerung kirchlichen Einflusses - den Konflikt (-> Investiturstreit) mit dem weltlichen Herrscher Heinrich IV. (*1050/°1106) zu suchen schien.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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