Wie verlief - in aller Kürze - die Karriere Papst Gregors VII.?

Zu Beginn seiner Laufbahn wurde Gregor VII. - da hieß er noch Hildebrand und soll zwischen 1025-1030 in Sovana (-> Toskana/Provinz Grosseto) geboren worden sein - von Gregor VI. (Papst 1045/46) protegiert.
Als der dann 1046 auf der Synode von Sutri zusammen mit zwei weiteren Päpsten von Heinrich III. (*1017/°1056) seines Amtes enthoben wurde, kam der Mönch Hildebrand unter Papst Leo IX. (*1002/°1054) schnell zu höheren Weihen.

 

Vom Kassenwart zur Grauen Eminenz

Hildebrand wurde Verwalter des päpstlichen Vermögens. Ein verantwortungsvoller Posten. Ein Job, der dem nach Einfluss strebenden Mann auf den Leib geschrieben schien.
Schon bald galt er als Graue Eminenz, als jemand also, der aus dem Hintergrund agiert, dabei aber die Fäden stets in Händen behält.

 

Kungelrunden und unentbehrlicher Spindoctor

Hildebrand/Gregor schien immer die richtigen Leute gekannt zu haben und Hinterzimmerkungeleien nicht abgeneigt gewesen zu sein.
Sein Einfluss auf die amtierenden Päpste

  • Leo IX. - 4. deutscher Papst, Pontifikat von 1049 bis 1054,
  • Viktor II. - 5. deutscher Papst, Pontifikat von 1055 bis 1057,
  • Stephan IX. - 6. deutscher Papst, Pontifikat von 1057 bis 1058,
  • Nikolaus II. - Papst von 1058 bis 1061 und
  • Alexander II. - Papst von 1061 bis 1073

als deren kompetenter Berater wurde so groß, dass Zeitgenossen der berechtigten Ansicht waren, ohne Hildebrand ginge auf dem Apostolischen Stuhl gar nichts, kein Weg führe mehr an ihm vorbei.

 

Papstkür gegen alle Regeln

Dann wurde Hildebrand selber Papst.
Nach dem Tod Alexanders II. 1073 ließ sich Hildebrand - sozusagen auf Betreiben des römischen Volkes - zu Papst Gregor VII. küren. Allerdings unter Missachtung des 1059 von Papst Nikolaus II. initiierten Papstwahldekrets, wonach  mindestens eine Dreiviertelmehrheit der Kardinäle für ihn hätte stimmen sowie das Plazet des weltlichen Herrschers, Heinrich IV., eingeholt werden müssen.
Sei´s drum, wird Gregor sich gesagt haben und blieb Papst bis 1084/85.

 

Ein Denkmal bekommt Risse

Dann, um 1080 herum, entstanden erste Brüche in Gregors bisheriger Unangefochtenheit, Reputation und Wertschätzung.
Seine in kirchenrechtlichen und weltlichen Fragen kategorische, unnachsichtige bis hin zur Unversöhnlichkeit reichende Haltung, verschreckte schließlich sogar seine klerikalen Unterstützer.

 

Auf verlorenem Posten

Das endgültige Ende seines Pontifikats begann 1084 mit der Einsetzung des bereits seit 1080 als Gegenpapst agierenden Erzbischofs von Ravenna als Papst Clemens III. durch Heinrich IV.
Im Gegenzug - eine Hand wäscht die andere - krönte Clemens wenige Tage später Heinrich zum römisch-deutschen Kaiser.
Zwar versuchte Gregor noch - mit Unterstützung des normannischen Herzogs Robert Guiscard von Apulien und Kalabrien - den gerade zum Kaiser gekrönten Heinrich IV. mit Roberts Truppen vor Rom zu schlagen, blieb dabei aber erfolglos.

 

Frust, Flucht und das Ende

Gregor flüchtete in die Engelsburg, dann raus aus Rom nach Salerno, wo er verbittert im Mai 1085 verstarb.
Sein Sterbebegleiter und Nachfolger für knappe sechzehn Monate (1086-1087) wurde ein vormaliger Benediktinermönch und späterer Abt des Klosters von Montecassino namens Daufari/Desiderius, der seine kurze Amtszeit unter dem Papstnamen Viktor III. führte.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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