Wie hat man sich die Hofhaltung Barbarossas vorzustellen?

Um es mit vergleichsweise geringen Worten zu sagen:
Auch zur Zeit Barbarossas (*um 1122/°1190) herrschten König/Kaiser nach wie vor vom Sattel ihrer Pferde aus. Reiten zu können war also auch für Barbarossa oberstes Gebot.

 

Ohne festen Wohnsitz

Denn, obwohl nachzulesen ist, dass Aachen als so etwas wie der Sitz des Reiches Barbarossas dargestellt wird, gab es bei weitem keine fest zu verortende Administration.

 

Kai aus der Kiste

Und, um in seinem vom heutigen Schleswig-Holstein im Norden bis in den Süden Italiens und von den Ardennen im Westen bis nach Polen reichenden Herrschaftsgebiet so oft wie möglich präsent zu sein, war auch Barbarossa unermüdlich unterwegs.
Fast so wie Kai aus der Kiste, tauchte er an den unterschiedlichsten Orten auf.

Nicht immer stieß er dabei, wegen der durch seinen Besuch verursachten immensen Kosten, auf große Begeisterung.

 

Wenn's mal länger dauerte

Neben dem Hin und Her auf dem Rücken der Pferde, gab es gelegentlich aber durchaus auch Möglichkeiten eines längeren Aufenthaltes vor Ort.
Dann wurde von Städten, Pfalzen oder Burgen aus regiert.

Oft genug mussten zu diesem Zweck allerdings Zelte genügen, die selbstverständlich – im Gegensatz zum „niederen“ Gefolge – in Größe und Ausstattung einem König/Kaiser angemessen und entsprechend luxuriös ausstaffiert waren.

 

Amtsträger

Für die Organisation des königlichen Haushalts (-> der „Hof“/“Hofhaltung“), der, wie gesagt, oft an ständig wechselnden Orten stattfand, gab es unter Barbarossa vier Ämter, die für einen unproblematischen Ablauf (nicht nur) der Reisen zuständig waren.

Da gab es zum Beispiel

  • den Mann für die Finanzen (->Kämmerer),
  • den Verantwortlichen (-> Truchsess) für Verpflegung und Tischsitten,
  • das ehrenhafte Amt eines sogenannten Mundschenks, zuständig für die Getränke (-> im Wesentlichen Wein)
  • sowie das Hofamt eines Marschalls, der sich verantwortlich für den militärischen Bereich (-> Unterkunft, Pferde, Kutschen etc.) zu kümmern hatte.

 

Staatsdiener

Und dann war da natürlich noch das Heer derer, sozusagen die „Indianer“, die zu arbeiten oder zu beten hatten:

  • Geistliche,
  • juristisch bewanderte und handwerklich begabte Leute,
  • Köche,
  • Diener,
  • Jäger,
  • Bäcker u.v.a.m.

 

Kurz und gut

Barbarossas am jeweiligen Ort stattfindende Hofhaltung galt sowohl der

  • Präsentation seiner selbst, also der Darstellung seiner Macht und Präsens,
  • der Beilegung von Konflikten mit den Fürsten und - sofern erforderlich - der Wahrnehmung der Gerichtsbarkeit,

als auch des Repräsentierens und des Empfangs inner- und ausländischer Gesandtschaften.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Die Deutschen Cäsaren (S. Fischer-Fabian; Droemer Knaur)

 

 

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