Warum war Friedrich II. von Hohenstaufen eigentlich ein Kaiser „zum Staunen“?

Wo auch immer von den Staufern und ihren Herrschern zu lesen ist, heißt es, dass dieses Adelsgeschlecht bereits schon im Mittelalter zum Mythos erklärt wurde, und die Faszination in der Beschäftigung mit ihnen bis in unsere Tage anhält. Von Friedrich I. Barbarossa wird zum Beispiel erzählt, er säße schlafend irgendwo in den Tiefen des Kyffhäusers, einem Mittelgebirge südlich des Harzes, und warte auf die Fortführung des deutschen Kaisertums – bisher allerdings erfolglos.

 

"Leuchte der Gerechtigkeit"

Sein Enkel, Friedrich II. (von Hohenstaufen), galt/gilt sowohl den mittelalterlichen Zeitgenossen, als auch heute Lebenden – je nach Standpunkt – als „Leuchte der Gerechtigkeit“, Feingeist, der Wissenschaft zugetan und ausgezeichneter Bauherr, aber auch als Tyrann und Antichrist.

 

Herkunft

Die Begeisterung für diesen Spross der Stauferdynastie ist wohl im Wesentlichen auf dessen Herkunft, die skandalumwitterten Umstände seiner Geburt und die misslichen Verhältnisse seiner Kindheit zurückzuführen. Während der Vater, Heinrich VI. (*1165-°1197/98), bei Friedrichs Geburt wegen dringender Staatsgeschäfte durch Abwesenheit glänzte, wurde die Mutter, Konstanze von Sizilien (*1154/°1198), mit unerhörten Anwürfen konfrontiert. Die Namensgebung dagegen war einfach und eindeutig. Der Knabe erhielt als Taufnamen die Namen seiner Großväter: Friedrich (-> nach Friedrich I. Barbarossa) und Roger (-> nach dem Normannen Roger II., König von Sizilien).

 

Die ersten Jahre

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Friedrich in Foligno (-> nahe Assisi in Umbrien/Italien) unter der Obhut der Herzogin von Spoleto. Als er vier Jahre alt war (-> 1198), starb der Vater. Zwar war es Heinrich VI. zwei Jahre zuvor gelungen, Friedrich von den deutschen Fürsten zum König wählen zu lassen, hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unmittelbar nach des Vaters Tod, entzogen sie, die Fürsten, dem vierjährigen Friedrich kurzerhand wieder den Titel. In der Folge erhielt das Reich zwei Könige - Friedrichs Onkel Philipp, Herzog von Schwaben sowie den Welfen Otto IV. von Braunschweig. Ein Umstand, der in den nächsten gut zehn Jahren zu einer exzessiven Rangelei um die Macht im Staate führte.  

 

"König der Bettler"

Und was geschah mit Friedrich? Ok, der Junge wurde nach Palermo gebracht, erhielt 1198 die Krone von Sizilien, hatte kurz darauf den Tod seiner Mutter zu beklagen, und wurde unter die Vormundschaft Papst Innozenz´ III. (*1160/°1216) gestellt. Das war eine Vereinbarung, die die Mutter, Konstanze, zuvor mit dem Pontifex verabredet hatte. Aber der war in Rom weit weg, und überließ die Betreuung des Knaben weitestgehend seinen Legaten vor Ort. Wie auch immer! Friedrichs Leben scheint in den Folgejahren - wenigstens zeitweise und bedingt durch eine Reihe von Machtkämpfen Dritter um das Königreich Sizilien - nicht nur von gegen ihn gerichteten Intrigen und Ausgrenzung geprägt gewesen sein. Glaubt man nämlich der Fama, soll Friedrich darüber hinaus auch hin und wieder „herumvagabundiert“ haben, und sei – man höre und staune – von einem Agenten des Papstes sogar als „König der Bettler“ bezeichnet worden. Ob das aber tatsächlich so gewesen ist, oder nur gemutmaßt wird? Man weiß es einfach nicht so ganz genau. Egal! Alles in allem, mag es aber durchaus eine Zeit gewesen sein, die Friedrich für einen schlagkräftigen Umgang mit Waffen sowie zum Erlernen des Lesens, Schreibens, Rechnens und fremder Sprachen nutzte.

 

"Stupor mundi" - das "Staunen der Welt"

Langer Rede, kurzer Sinn: Mit Vierzehn endlich volljährig, heiratete Friedrich die – vom Papst ausgesuchte und zehn Jahre ältere – Konstanze von Aragonien/Aragón (*1184??/°1222), die ihm nicht nur fünfhundert spanische Ritter mitbrachte, sondern ihn auch mit höfischen Sitten und kultiviertem Auftreten vertraut machte. Friedrich war jetzt nicht mehr nur der „Puer Apuliae“, der Junge aus Apulien, nein, in der Folge euphorisierte er geradezu seine Bewunderer in Deutschland und im Königreich Sizilien – er wurde zum „Stupor mundi“, zum „Staunen der Welt“.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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