Wieso wurde Friedrich II. von Hohenstaufen eigentlich zum Mythos?

Wir wissen sehr wohl, dass wir die unzähligen Geschichtsquellen, Publikationen, Dokumentationen, Abhandlungen und anderes mehr über Friedrich II. von Hohenstaufen (*1194/°1250) an dieser Stelle nicht toppen können. Alles über ihn ist mehr als hundertfach gesagt. Beschränken wir uns also auf die überall nachzulesenden Wortprägungen, die zur Beschreibung seiner Persönlichkeit beigetragen haben.

 

Messias oder Antichrist

So nannten/nennen ihn zum Beispiel diejenigen, die ihm nicht gewogen waren, „Antichrist“, „Sohn des Teufels“, „Drache“, „König der Pestilenz“ und „Fürst der Finsternis“. Anderen wiederum, die Friedrich II. als seiner Zeit weit voraus beurteilen, galt/gilt er als „Leuchte der Gerechtigkeit“ oder gar als „Messias“.

 

Meriten und Ärger mit den Päpsten

Friedrich entmachtete den Adel, revolutionierte geradezu die staatliche Verwaltung, indem er ausgebildete Beamte auf relevante Posten setzte und sie ordentlich bezahlte, erließ eine Flut von Gesetzen, stellte den Getreidehandel sowie das Gewerbe der Geldwechsler, Bader und Metzger unter staatliche Kontrolle, kümmerte sich um Landwirtschaft, Straßen- und Brückenbau, gründete Städte, Schulen und Universitäten, wirkte architektonisch maßgeblich an seinen zahllosen Bauwerken (-> Kastelle, Burgen, Schlösser u.a.m.) persönlich mit, schrieb ein Standardwerk über Vogelkunde und die Falkenjagd, übte sich in religiöser Toleranz – und legte sich, im ständigen Kampf der Zeit um die Oberhoheit der Mächte (Papst? Oder doch der Kaiser?), fast sein Leben lang mit dem „Heiligen Stuhl“ an.

 

"Stupor mundi"

Friedrich bewahrte die kulturelle Vielfalt in seinem von der Nordsee bis nach Apulien, Kalabrien und Sizilien reichenden Herrschaftsgebiet, hatte eine Antenne für die Minderheiten im Königreich Sizilien (-> u.a. die Sarazenen, die er allerdings von der Insel aufs Festland, Apulien, „verfrachten“ ließ), war Dichter, Bauherr, Staatsmann, Liebhaber, Falkner, Kreuzfahrer ohne Waffengewalt und wurde schließlich zum „Stupor mundi“, zum „Erstaunen der Welt“ - einer sowohl schillernden, als auch mitreißenden Figur der Geschichte.

 

Kurz und bündig

Nach den allenthalben immer wieder gern zitierten Worten des Schweizer Kunsthistorikers Jacob Burckhardt (*1880/°1897), war Friedrich II. von Hohenstaufen „der erste moderne Mensch auf dem Thron“. 

Autor:    Manfred Zorn
Quellen: Die Staufer und ihre Zeit (Hg. Annette Großbongardt/Dietmar Pieper;
            Deutsche Verlags Anstalt)
            Kaiser, Ritter und Scholaren (Rowohlt Taschenbuchverlag)

 

 

 

                         

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige