Was hielt Friedrich II. von Papst Innozenz III.?

Schwer zu sagen. Die Angelegenheit war komplex und begann damit, dass Friedrichs Mutter, Konstanze von Sizilien (*1154/°1198), klugerweise nicht auf dem Titel „römisch-deutscher König“ – den hatte Friedrichs Vater, Heinrich VI., 1196 in Würzburg den deutschen Fürsten abgerungen, wurde aber nach dessen Tod ohnehin nicht anerkannt – für ihren Sohn bestand, sondern ihn lediglich im Frühjahr 1198 zum König von Sizilien krönen ließ, was Papst Innozenz III. (*etwa 1160/°1216) durchaus gefallen haben wird.

 

Vormundschaft

Als Konstanze kurz vor ihrem Tod verfügte, Innozenz zum Vormund Friedrichs zu bestellen, wird der Papst sicher frohlockt haben, hielt er diese Funktion doch für eine gute Möglichkeit, den Knaben machtpolitisch in seinem Sinne beeinflussen zu können. Fortan wurden nämlich die Regierungsgeschäfte von einem Thronrat, bestehend aus einem Kanzler (-> „Bischof Walter/Gualtiero von Palearia“) und vier süditalienischen Erzbischöfen, die wiederum von einem Legaten des Papstes kontrolliert wurden, wahrgenommen. Friedrich II., der zu diesem Zeitpunkt (-> November 1198) knapp vier Jahre alt war, wird das alles wenig tangiert haben.

 

Spielball der Interessen

Das änderte sich, als 1201 Markward von Annweiler, der, von Philipp von Schwaben (-> Bruder Heinrichs VI. und Onkel Friedrichs) zum Regenten Siziliens „befördert“, den Aufstieg in den Thronrat schaffte. Jetzt stand Friedrich, bis zu Markwards plötzlichem Dahinscheiden 1202 unter dessen ungeliebter Fuchtel. Dann folgte das Intermezzo eines gewissen Wilhelm Capparone, einem Exvertrauten Heinrichs VI. (*1165/°1197), der aber im November 1206 von Walter von Palearia wieder vertrieben werden konnte. Bis zum Dezember 1208, also bis zum Ende der päpstlichen Vormundschaft, blieb Friedrich weiterhin der Spielball des von eigenen Interessen geleiteten Kanzlers, des Thronrates, des päpstlichen Gesandten und diverser anderer Mächte um den „Kampf“ um das Königreich Sizilien.

 

Heraus aus den Kinderschuhen

Alles in allem eine verwirrende Geschichte, die Kindheits- und Jugendjahre Friedrichs II. Aber, ab dem vierzehnten Lebensjahr begann er schnell klarzustellen, wer wirklich Herr im Hause Siziliens war. Zwar kam er dem Vorschlag des Papstes nach, die zehn Jahre ältere Konstanze von Aragon zu ehelichen, drängte aber flugs den Kanzler und Bischof Walter von Palearia aus dem Amt, ließ im März 1212 seinen Sohn Heinrich (VII.) zum König von Sizilien krönen, und entschied sich, im gleichen Jahr - aber gegen jeden Rat - nach Deutschland zu reisen, um sich (-> gegen Kaiser Otto IV. von Braunschweig; *um 1175/°1218) im Dezember d.J. zuerst von den Fürsten als König bestätigen sowie anschließend in Mainz krönen zu lassen.

 

Ach so, wie war doch noch die Frage?

Was hielt Friedrich II. von Papst Innozenz III.? Richtig!
Nun, wie weiter oben gesagt – schwer zu beurteilen! Friedrich hat seinen Vormund nur ein einziges Mal persönlich getroffen. Das war 1212 auf der Durchreise nach Deutschland. In Rom. Hier sprach Friedrich gegenüber dem Pontifex zwar den Lehnseid des Königreichs Sizilien aus, hatte dabei aber gewiss schon im Hinterkopf, sich als König von Sizilien – geschweige denn später als Kaiser – nicht weiterhin dem Willen des „Heiligen Stuhls“ zu unterwerfen. Möglich, dass hier der Beginn seiner längjährig gepflegten Gegnerschaft zu den Päpsten gelegt wurde. Wer will das schon so ganz genau wissen …?

Autor: Manfred Zorn

 

 

 

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