War das Ableben Heinrichs VI. der Anfang vom Ende der Staufer?

Mehr oder weniger! Nach Heinrichs Dahinscheiden im September 1197 ging sozusagen ein Aufatmen durch Sizilien, Italien und das Reich. Die Mehrzahl derer, die unter der Tyrannei Heinrichs VI. gelitten hatten, schienen ihm keine Träne nachgeweint zu haben. Im Gegenteil! Die ihm schon zu Lebzeiten nicht wohl Gesonnenen brannten geradezu darauf, ihre Vorteile aus seinem Tod zu ziehen. Zu verlockend erschienen die Möglichkeiten, sich nun über Heinrichs Hinterlassenschaft herzumachen.

Was gehörte zu diesem Nachlass?

Nun, das war nicht gerade wenig. Dazu gehörten, zum Beispiel, die rein deutschen Gebiete, Böhmen, Mähren, die Lehen Pommern und Schlesien, Burgund, Lothringen, das Elsaß, Sizilien sowie – mit Ausnahme des, unter anderen, aus Rom, Venetien, Istrien, Spoleto, Benevent bestehenden Kirchenstaates – der Rest Italiens. Verständlich, dass da Begehrlichkeiten wach wurden, und Heinrichs letzter Wille zur Makulatur verkam. Seine auf dem Totenbett vorgetragenen letzten Empfehlungen, die von einer gewissen Milde und nicht geringen Zugeständnissen an die Kirche getragen waren, verpufften wie der Dampf aus einem Wasserkessel.

Was war denn mit Heinrichs Ehefrau, Konstanze? Kämpfte sie um die Kaiserwürde?

Nein, die war ihr total schnuppe. Konstanze fand zu ihren normannischen Wurzeln zurück und engagierte sich ausschließlich für Sizilien. Sie schaffte es sogar, ihren Sohn - den späteren Kaiser Friedrich II. (-> von "Hohenstaufen") - im Frühjahr 1198 zum König von Sizilien krönen zu lassen. Somit wurde Heinrichs Testament letztendlich weder veröffentlicht, noch mit Leben erfüllt. Alles in allem war Heinrichs plötzliches Ableben also Grund genug, sowohl Papst Coelestin III., und erst recht - nach dessen Hinscheiden im Januar 1198 - seinen Nachfolger Papst Innozenz  III. (*um 1160/1161; °1216 -> Papst von 1198-1216), als auch die normannischen Sizilianer, die lombardischen Städte und auch die deutschen Fürsten mit den Hufen um Heinrichs Erbe scharren zu lassen.

Und? Wann kam denn nun das Ende der Stauferdynastie?

Na, ja, in der Folge war nichts mehr so, wie zu Heinrichs VI. Zeiten. Die Macht der Könige wurde im Laufe der Zeit geschwächt, die der Kirche unter Papst Innozenz III. dagegen zunehmend gestärkt. Dennoch dauerte es noch gute siebzig Jahre, bis die Herrschaft der Staufer 1268 mit der Hinrichtung Konradins (*1252/°1268), des letzten der „Mohikaner“ aus der Dynastie der Staufer, endgültig  erlosch.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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