Was hatte Heinrich VI. mit dem sogenannten „Blutgericht von Palermo“ zu tun?

Sehr viel! Heinrich war sozusagen der Vollstrecker!

Aber, was ging diesem entsetzlichen Strafgericht eigentlich voraus?

Nun, den Annalen zur Folge, kann durchaus angenommen werden, dass Heinrich VI. seinem Großmachtswahn erlegen war. Wie sonst konnte es sein, dass er glaubte, die mit Heinrichs jüngerem Bruder Philipp verheiratete Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak II. Angelos, Irene, könnte irgendwann und irgendwie das Mittel zum Zweck sein, das seit 395 in Ost- und Westrom geteilte „Imperium Romanum“ wieder zu vereinen? Natürlich unter seiner, Heinrichs, Herrschaft! Aber tatsächlich, diese Frage stellte sich! Für Heinrich (und den Betroffenen) unverhofft, erfuhr er vom Sturz des guten Isaak, der von seinem Bruder, Alexios III. Angelos, abgesetzt worden war. Heinrich muss das als Zeichen der göttlichen Vorsehung verstanden haben. Denn nichts schien ihm jetzt angemessener, als die Erbansprüche Irenes, die inzwischen (-> weil zum römisch-katholischen Glauben konvertiert) Irene-Maria hieß, auf den byzantinischen Thron für Bruder Philipp und dessen Gattin geltend zu machen.

Wie versuchte Heinrich, sein "Projekt" Byzanz durchzuführen? Und, hat er überhaupt etwas erreicht?  

Nein, hat er nicht, aber durchaus daran geglaubt. Gestützt auf seine inzwischen unleugbare Machtfülle, schien es Heinrich VI. geradezu recht und billig, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Um das zu verwirklichen, hatte Heinrich vor, sich auf den von ihm - 1195 auf dem Hoftag von Bari zugesagten - Kreuzzug zu begeben. Mit diesem Zug unter dem Kreuz, wollte er listigerweise gleichzeitig auch Papst Coelestin III., der wegen der Verweigerung Heinrichs, ihm, dem Papst, die rechtmäßige Lehenshoheit über Sizilien zu geben, nachhaltig sauer war, „Honig um den Bart schmieren“. Beides mißlang. Heinrich erreichte nie Byzanz, und der Papst nahm weiterhin übel. 

Ja, und? Wie kam es denn nun zu dem genannten Blutgericht?

Heinrich, immer noch damit beschäftigt sein Kreuzfahrerheer zusammenzustellen, sah sich unversehens einem Mordanschlag aufgebrachter sizilianischer Systemkritiker ausgesetzt, die sich gegen ihn verschworen hatten. Heinrich ließ Kreuzzug, Kreuzzug sein und übte sich stattdessen in fürchterlichen Vergeltungsmaßnahmen. Auf dem Reichstag von Palermo 1197, der in der Tat einem Blutgericht gleichkam, rechnete Heinrich mit den Aufständischen in einer Weise ab, die einem absolut das Blut in den Adern gerinnen lassen. So ist zum Beispiel von „… mit der Säge in Stücke schneiden, auf Pfähle spießen, lebendig begraben, mit Pech bestreichen und anzünden, von einem Stein, der einem Delinquenten an die Zunge gehängt wurde, mit dem Kopf nach unten aufhängen und dem „Gegenkönig“ und Rädelsführer die unberechtigte Krone auf den Kopf nageln …“ – unter anderen – in S. Fischer-Fabians „Die Deutschen Cäsaren“ nachzulesen. Zwar festigte Heinrich seine Autorität, aber auch die Ressentiments und Unversöhnlichkeit der sizilianisch-normannischen Bevölkerung gegenüber allem, was deutsch war, wuchsen dramatisch.

Knappe achthundert Jahre später, gab es doch tatsächlich wieder einen bei uns, der Heinrich VI. auf eine noch entsetzlichere Weise bei Weitem übertroffen hat. Bleibt nur zu hoffen, dass wir keine Wiedergeburt erleben …

Autor: Manfred Zorn

 

 

Verwandte Beiträge

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige