Was war der Auslöser der so genannten „Römischen Bürgerkriege“?

Auslöser der mit dem Begriff „Römische Bürgerkriege“ umschriebenen Unruhen waren unter anderem der Frust der aus den Pyrrhus- (280-275 v. Chr.) und Punischen Kriegen (264-146 v. Chr.) Heimgekehrten, die Verarmung ganzer Landstriche, die Verschuldung halbwegs heil wieder zurückgekehrter Bauern, Landflucht und die Zunahme des städtischen Proletariats.

Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall

All dem standen die Arroganz, der zügig wachsende Großgrundbesitz sowie der daraus exorbitant zunehmende Wohlstand der etablierten Reichen gegenüber. Gesellschaftliche, soziale und politische Gegensätze schienen unüberbrückbar zu sein.

Wer gegen wen

Langwierig ausgetragene Rivalitäten (von 133 bis 30 v. Chr.) zwischen Befürwortern der Hoheitsgewalt des Senats („lat.: „optimates“/“den Besten“) und den Interessenvertretern („popularis“/“das Volk betreffend“) der weitestgehend von „Volkes Stimme“ bestimmten Volksversammlungen waren die Folge – eine Epoche, die auch als Zeit der „Römischen Bürgerkriege“ bezeichnet wird.

Um was es ging – und wer es ändern wollte

Im Grunde genommen ging es schlicht und einfach um die widerstreitenden Auffassungen zwischen Arm und Reich (was sich bis heute nicht wesentlich verändert hat). Die einen beklagten die Chancenungleichheit im beruflichen Aufstieg und die damit verbundene Einschränkung ihrer Lebensqualität, die anderen wollten am Status Quo festhalten.

Ämterschacher, Bestechung, Korruption und das immer Reicherwerden der ohnehin schon begüterten römischen Großkopferten sorgte unter den weniger Privilegierten für gefährlichen Zündstoff.

Dieser latenten „Explosionsgefahr“ wollten die Brüder Tiberius (*163/°133 v. Chr.) und Gaius Gracchus (*153/121 v. Chr.) zuvor kommen. Sie planten eine Bodenreform zu Gunsten der in wirtschaftliche Schräglage geratenen Bauern.

Tiberius Gracchus

Tiberius ließ sich 134 v. Chr. zu einem der zehn Volkstribunen wählen, um aus dieser Position heraus eine Umverteilung des zu weiten Teilen im Besitz des Adels befindlichen Grund und Bodens zu erreichen.

Das war allerdings in einer verfassungsmäßigen Amtsperiode von einem Jahr nicht zu schaffen. Als er sich (gesetzeswidrig) nach Ablauf seiner Amtszeit ein weiteres Mal zur Wahl stellen wollte, ging das schief. Tiberius wurde von aufgebrachten Gegnern erschlagen.

Gaius Gracchus

Dem gut meinenden Gaius Gracchus, dessen Reformbestrebungen die des Bruders noch bei weitem übertrafen, erging es letztlich nicht viel besser. Der Senat, überwiegend besetzt mit Aristokraten und vermögenden Großgrundbesitzern, war not amused. Die von Gaius in Angriff genommene Agrarreform, einhergehend mit der Neuverteilung ihrer Latifundien sowie einer angestrebten Ausweitung der Bürgerrechte, ging den „Optimates“ schließlich schlicht zu weit.

Das bittere Ende

Gaius, der ohne viel Federlesens zum Staatsfeind erklärt wurde, begab sich auf die Flucht, erkannte aber schnell seine Chancenlosigkeit, resignierte, ließ sich – oh, ha – von einem Sklaven töten und schlug so seinen Häschern ein Schnippchen. Das mochte dem guten Gaius posthum zwar durchaus zur Ehre gereichen, änderte aber nichts daran, dass dennoch tausende seiner Anhänger exkutiert wurden.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "Römisches Reich" - Das farbige LIFE Bildsachbuch (rororo)

 

 

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